Handelsblatt Nr. 204 vom 21.10.2011 Seite 55 

21.10.2011 

Immobilien 

Peter Hettenbach: "Der Markt ist leergefegt" 


Wohnungen sind bei Kapitalanlegern gefragt wie seit Jahren nicht mehr.  Anette Kiefer sprach mit dem Marktforscher und Gründer des Instituts Innovatives Bauen (IIB) über Sinn und Unsinn dieser Anlageform.  
Handelsblatt: Wie beurteilen Sie die Preisentwicklung bei Eigentumswohnungen in den vergangenen Jahren?  
Peter Hettenbach: Sehr unterschiedlich. In den dezentralen und ländlichen Räumen waren die Preise teilweise sogar rückläufig. In Frankfurt, Berlin und Hamburg gab es jedoch klare Preissteigerungstendenzen, und in München stiegen die Preise für Neubauangebote exorbitant - binnen drei Monaten um ein Drittel!  Bei jedem fünften Neubauangebot muss man aktuell Millionär sein, um sich den Zuschlag zu sichern. Der Markt ist leergefegt und wird zum Anbietermarkt. Das ist eine beunruhigende Tendenz.  
Handelsblatt: Inwiefern?  
Hettenbach: Der Anleger, der verzweifelt nach einem inflationssicheren, langfristigen Investitionsobjekt sucht und finanziell konservativ agiert, bekommt ein Problem. Denn er ist darauf angewiesen, dass über die Mieten die Finanzierung der Immobilie gesichert ist. Diese Rechnung gerät ins Schleudern, wenn er zu einem sehr hohen Quadratmeterpreis kauft, aber keine äquivalent hohe Miete berechnen kann. Im hochpreisigen Bereich in München liegen die Mietrenditen bei gerade mal ein bis zwei Prozent. Vernünftig nenne ich das nicht mehr.  
Handelsblatt: Sehen Sie Überhitzungstendenzen?  
Hettenbach: Überhitzungsansätze sehe ich in München und Hamburg. Dort steht einer großen Nachfrage ein vergleichsweise kleines Angebot gegenüber. Die hohen Preise werden sich aber marktwirtschaftlich selbst regulieren. Deshalb bin ich davon überzeugt: Wer in dieser Phase zu teuer kauft, wird drauflegen müssen wie in den 1990er-Jahren in Ostdeutschland.  
Handelsblatt: Was können Kapitalanleger für ihr Geld erwarten?  
Hettenbach: Kapitalanleger sollten eine Bruttorendite von vier Prozent zum Maßstab nehmen - ohne Steuervorteile, Tilgungszuschüsse und Sonderkreditkonditionen wohlgemerkt. Darüber hinaus müssen sie sorgfältig prüfen, welche Immobilie wirklich geeignet ist, diese Verzinsung zu erzielen.  Die Lage ist bei weitem nicht alles. Ich bin und bleibe ein Anhänger von Immobilien als Anlageobjekt, aber es muss die richtige Immobilie sein.  

Kiefer, Anette 

Immobilien für Kapitalanleger (Handelsblatt-Beilage) 

SE (Seite):055 

DE (Thema):Interview; Geld und Börse; Immobilienspiegel; Anlagetipp-Immobilie; Immobilienmarkt; Hochbau & Tiefbau; Bauwirtschaft; Bauen und Wohnen; 

CN (Land):Bundesrepublik Deutschland C4EUGE; 

NN (Person):Hettenbach, Peter

 

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